Die SPD Rheinzabern hat ihren 120. Geburtstag gefeiert: Beim Festabend am 29. August in der Festhalle Rheinzabern hielt Ministerpräsident a. D. Kurt Beck die Laudatio. Die kurzweilige Veranstaltung mit fast 130 Gästen gestalteten der Musikverein "Lyra", Knut Maurer mit Band und der aus der Fasenacht bekannte "Leierkastenmann" Uwe Zapp.
Nach der Begrüßung durch das langjährige SPD-Ratsmitglied Willi Hellmann führte der Vorsitzende der SPD Rheinzabern Peter Drexler durch das Programm.
Die herzlichen Glückwünsche des SPD-Unterbezirks überbrachte der Co-Vorsitzende Mario Daum, auch Ortsbürgermeisterin Sabrina Welker gratulierte im Namen der Gemeinde und würdigte die "lange Geschichte sozialdemokratischer Präsenz" in Rheinzabern.
Willi Hellmann eröffnete den Festabend
SPD-Unterbezirksvorsitzender Mario Daum
Ortsbürgermeisterin Sabrina Welker
Kurt Beck (Mitte) im Gespräch mit Gisela Wayand und dem Vorsitzenden des Ortsvereins Peter Drexler
Verbandsbürgermeister Karl Dieter Wünstel (CDU) wertete es als "Zeichen der Wertschätzung", dass er als "rabenschwarz" Sozialisierter eingeladen wurde, ein Grußwort zu sprechen. Als junges Ratsmitglied in Hatzenbühl war es "undenkbar, dass ein SPD-Antrag gut sein könnte". Inzwischen habe sich der generelle Umgang unter den Parteien sehr geändert, mittlerweile sehe er auf der kommunalen Ebene das Lagerdenken überwunden. "Ihr seid wichtig, auch eure Einstellung ist wichtig. Wir ziehen, was die Entwicklung der Gesellschaft betrifft, an einem Strang", sagte Wünstel.
Verbandsbürgermeister Karl Dieter Wünstel
Flammende Rede von Kurt Beck
Der frühere Ministerpräsident Kurt Beck hielt eine flammende Rede. "Wir müssen verdammt aufpassen, dass das Erkämpfte und Errungene nicht kaputtgemacht wird", sagte Beck mit Blick auf Putins Krieg in der Ukraine und extrem reicher Oligarchen, die gemeinsam die "Mär vom Feind von außen" schrieben und mit Desinformation auch die Demokratien in Europa angriffen. Auch in den USA als Mutterland der modernen Demokratie würden seit Donald Trumps zweitem Amtsantritt Verfassung und Institutionen wie die Justiz von innen unterhölt, und "im Zweifelsfall holt man die Armee ins eigene Land": "Es ist kaum zu glauben, was sich da jeden Tag abspielt." Auf all diese Gefährdungen der Demokratie, auch durch publizistische und finanzielle Macht, müsse Europa "einladende Antworten" finden. Europa müsse als eigenständige Macht sprechen und "mit Mut, Offenheit und einer offenen Hand" dazu einladen, auf einen "wertebestimmten Weg" zurückzukehren. Auch für ihn sei die Erkenntnis bitter gewesen, dass sich nach dem Ende des Kalten Krieges und der Teilung Europas die Hoffnung auf dauerhaften Frieden in Europa nicht erfüllt habe.
Kurt Beck, Ministerpräsident von 1994 bis 2013
Im Hinblick auf die Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen und den Ausschluss eines rechtsextremen Kandidaten sagte Beck: "Respekt, dass ihr nicht den Weg des Einfacheen gegangen seid". Es gebe "mehr Verbindendes als Trennendes unter den Demokraten", gemeinsam müsse man sich gegen Antidemokraten wehren, die an der Aushölung und Zerstörung der Demokratie arbeiteten. Weiter sprach Beck zu Bildungsgerechtigkeit und Bedrohungen der "Substanz einer solidarisachen Sozialversichung": "Jedes Wochenende werden Vorschläge gemacht, wie man die Krankenversicherung, Rentenversicherung oder Pflegeversicherung zusammenstreichen könnte." Für seine Rede erhielt der frühere Ministerpräsident stehende Ovationen und lang anhaltenden Applaus.
Beck hielt eine flammende Rede
Origineller Auftritt des Leierkastenmannes
Einen originellen Auftritt lieferte der aus der Rheinzammer Fasenacht bekannte Leierkastenmann Uwe Zapp ab: Er gab eine von ihm und Joachim Schmitt adaptierte Version des Liedes "Pfälzer Wind" zum Besten, bei dem im Saal auch viele mitsangen: Der Wind im Refrain wurde zum "roten Wind" und der Text bisweilen spitz auf die prägenden Personen der Rheinzaberner SPD umgedichtet.
"Leierkastenmann" Uwe Zapp
Langjährige Genossen geehrt
Die Landtagsabgeordnete Dr. Katrin Rehak-Nitsche aus Wörth konnte mehrere langjährigen Genossen ehren und ihnen für ihr Engangement für die Sozialdemokratie danken: Achim Wünstel aus Jockgrim wurde für 50 Jahre SPD-Mitgliedschaft geehrt. Insgesamt war er 39 Jahre im Verbandsgemeinderat und 35 Jahre im Ortsgemeinderat Jockgrim aktiv. Seit 40 Jahren SPD-Mitglied ist Joachim Schmitt aus Rheinzabern, seit 15 Jahren engagiert er sich stark im Ortsverein Rheinzabern, erst als Schriftführer und später als Kassierer. Nicht persönlich anwesend sein konnten Karlheinz Werling (50 Jahre) Mitglied und Peter Nogly (40 Jahre, beide aus Jockgrim).
Die Landtagsabgeordnete Dr. Katrin Rehak-Nitsche ehrte Joachim Schmitt und Achim Wünstel (v.l)
Ein besonderer Dank ging an den Musikverein "Lyra" Rheinzabern, der zur Begrüßung ind zwischen den Programmpunkten mit mehr als 40 Musikerinnen und Musikern aufspielte. Der Musikverein habe sofort zugesagt unterstütze schon immer bei Veranstaltungen die SPD. Der Ortsverein bedankte sich mit einer Spende für die Jugendarbeit des MV Lyra.
Carmen und Peter Drexler
Mit mehr als 40 Musikerinnen und Musikern vertreten: Der MV Lyra Rheinzabern
Den geselligen Abschluss mit Jazz gestalteten Knut Maurer mit Band – wie immer mit großem Können und dem richtigen Gespür für die Stimmung im Saal.