Historisches

100 Jahre SPD in Rheinzabern

100 Jahre ist ein stolzes Alter für die "alte Tante" SPD in Rheinzabern. Wie wir wissen, reicht die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland zurück in das Jahr 1863 als Ferdinand Lassalle in Leipzig den "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" mit einem sozialistischen Programm gründete. Weitere Etappen waren das Jahr 1869, in dem Wilhelm Liebknecht und August Bebel in Eisenach die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland" ins Leben riefen und das Jahr 1875 als die beiden Vereinigungen sich in Gotha zu der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland" vereinigten.
Die Partei hatte Erfolg bei Wahlen im Kaiserreich und fand einen immer größeren Anhang in der aufkommenden Arbeiterschaft. Reichskanzler von Bismarck reagierte mit dem Gesetz zur Abwehr sozialdemokratischer Ausschreitungen, welches von 1878 bis 1890 in Kraft war und die Polizei zur Verfolgung sozialistischer Vereine und ihrer Führer ermächtigte.

In diesem geschichtlichen Zusammenhang fand 1905 in Rheinzabern die Gründung des ersten sozialdemokratischen Vereins statt, der zusammen mit Hagenbach, Kandel, Portz (dem heutigen Maximiliansau) und Wörth zu den ältesten Ortsvereinen der Umgebung zählt.
Auf einem Dokument vom 21.10.1905 informiert das Königliche Bezirksamt Germersheim das Bürgermeisteramt in Rheinzabern über die Zusammensetzung des ersten Vorstandes; wohl zur besseren Überwachung der Personen.

Neben Franz Peter Sand als ersten und Ludwig Hock als zweiten Vorsitzenden bestand der Vorstand noch aus den Schriftführern Franz Kaufmann sowie Franz Michael Kuhn und dem Kassierer Josef Martin. Franz Peter Sand, Lehrersohn aus Ludwigshafen, wurde aufgrund seiner Mitgliedschaft in einer Arbeiterbewegung von seiner Familie verstoßen und ließ sich anschließend in Rheinzabern nieder.

Ehrenbürgermeister Schellenberger ist es zu verdanken, dass aus historischen Unterlagen der entscheidende Impuls herauskristallisiert wurde, der den Gründungsmitgliedern der SPD-Rheinzabern durch die Kommunalwahl des Jahres 1904 geliefert wurde: „Ein übler Wahlkampf fand am 23.Oktober 1904 noch kein Ende. Wegen zweier Personen hatten sich Gruppen durch „Zech- und Saufgelage“ mobilisieren lassen und in Beleidigungen, Feindschaften und Schlägereien Wahlkampf betrieben und über den Wahltag hinaus den örtlichen Bürgerfrieden ruiniert.“
Walter Schellenberger : Der SPD gebührt die Anerkennung, in dieser fatalen Lage die Dorfpolitik als erste Partei aus der personifizierten Polarisierung herausgenommen und auf die Schultern von Parteien gelegt zu haben. – Es sei für die SPD wie alle anderen demokratischen Parteien heute im Ort gegeben, dass trotz politisch anderen Vorstellungen Toleranz und Zusammenarbeit zum Wohle der Bürger gesichert seien. Dafür sei am 100. Geburtstag ein aufrichtiger Dank mehr als angebracht.

Die ältesten Zeugnisse des sozialdemokratischen Vereines, die ich ausfindig machen konnte, stammen aus den Jahren 1905 und 1906. So fand am 9. April 1905 im Gasthaus zum Adler die öffentliche Versammlung zum Thema „Arbeiter –und Unternehmerloos“ statt und in demselben Lokal am 26.11.1905 eine Versammlung zum Thema „Die Sozialgesetzgebung und die Sozialdemokratie“.
Wie aufmerksam die Überwachung der Aktivitäten der Sozialdemokraten durch staatliche Organe war, zeigt der dokumentierte Ablauf einer Veranstaltung in einem Gasthaus, welches wohl bekannt sein dürfte.

Am 5.Januar 1906 zeigte Franz Sand dem Bürgermeisteramt in Rheinzabern an, dass am 7.1.1906 im Gasthaus „zur Krone“ eine Volksversammlung mit der Tagesordnung „Die Zollpolitik und die Sozialdemokratie“ stattfinden sollte und legte gleichzeitig eine Bescheinigung des Besitzers Rudolf König vor, dass der Saal für die Sitzung zur Verfügung stände. Noch am selben Tag informierte Bürgermeister Thomas das Königliche Bezirksamt in Germersheim über den Sachverhalt, welches wiederum die Gemeinde verpflichtete, ein Mitglied der Ortspolizeibehörde abzuordnen, um über den Verlauf einen Bericht zu erstellen. Dies geschah unter dem Datum vom 10.1.1906, wonach die Versammlung mit dem Landtagsabgeordneten Bruno Körner ruhig verlaufen und über –so wörtlich- Tabak- und Getreidezölle, Fleischnot, Flottenvorlage und Überschuldung des Staates gesprochen worden sei.
Das nächste Dokument, welches für mich auffindbar war, stammte erst wieder vom 3.August 1933. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zeigte das Verbot der SPD auch seine Wirkung in Rheinzabern. In bürokratischer Gründlichkeit vermerkte eine Liste des Gendarmerie-Bezirkes Germersheim, dass ein Betrag von 0,47 Reichsmark der SPD-Ortsgruppe Rheinzabern beschlagnahmt wurde und von der Gemeinde Rheinzabern aufzubewahren sei. Als ersten Höhepunkt ihrer kommunalpolitischen Arbeit nach dem zweiten Weltkrieg konnte die SPD Rheinzabern mit Jakob Dorth sogar den Bürgermeister stellen – und das in äußert schwieriger Zeit. Gleichzeitig hatte Jakob Dorth das Amt des Vereinsvorsitzenden inne. Ihm folgte Albert Kaufmann, er begleitete das Amt des Vorsitzenden in den Jahren zwischen 1952 – 1964.
Gerhard Mölders, welcher anschließend bis 1975 Vorsitzender der SPD Rheinzabern war, fand als ein gemäßigter und geschätzter Mann des Ausgleichs und der Sachlichkeit stets Anerkennung. Er ist seit mittlerweile über 50 Jahren Parteimitglied und war in vielen Ehrenämtern auf Orts- und Kreisebene tätig.
Unter dem Vorsitz Ernst Arbeiters, der 25 Jahre lang das Amt des 1.Vorsitzenden begleitete, traten viele junge politisch Interessierte dem SPD Ortsverein Rheinzabern bei. So kam es gerade in den 70er Jahren in Rheinzabern zu heftigen Generationskonflikten innerhalb der SPD. Auseinandersetzungen, die jedoch zur Weiterentwicklung der Partei geführt haben. Von 2000 - 2002 führte Uwe Schwind unseren Ortsverein an, Danach war Willi Hellmann 1. Vorsitzender. Aktuell ist Bernd Weber der 1. Vorsitzende.

Gerade in ihrer jüngsten Geschichte konnte der SPD Ortsgruppe weitere, große Erfolge aufweisen. 2001 gilt als das bislang erfolgreichste Jahr des SPD Ortsvereins :

Mit Uwe Schwind stellt die Rheinzaberner SPD zum ersten Mal den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jockgrim.

Des Weiteren sitzt mit Barbara Schleicher-Rothmund eine Abgeordnete im Rheinland-Pfälzischen Landtag. Sie ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur. Auch dem für uns wichtigen Ausschuss für Umwelt und Forsten gehört sie an.

Fabian Kruzel

 

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